Gedanken vor und beim Erstflug

Samstagnachmittag, leichter Wind, der Platz gehört mir alleine...juhu. Die Seglerschlepper sind schon Essen gefahren, die letzten habe ich noch verabschiedet. Noch nie geflogen, aufgeregt, schweißnasse Hände, Gottseidank keiner da der mir zuschaun könnte...den Wingo aus dem Kofferraum geholt...erster Rolltest - jessas der biegt aber rechts ab. Ca. 47 Klicks dagegen, jetzt rennt er halbwegs geradeaus. Gegen den Wind starten? Hm, der Wind kommt aus Richtung Donau - zu gefährlich! Im Entlastungsgerinne bekomme ich den Vogel dann nimmer. Also Wingo in Höhe des Tisches Richtung Kraftwerk aufgestellt, Vollgas, ein bissi Höhe dazu...Jessas, des Ding hebt ab. Wo das hohe Gras anfängt, zääärtliche Linkskurve...hab zwar den ganzen Platz gebraucht aber die Wende ist geschafft. Einmal den Platz entlang in ca. 2 Meter Höhe - geradeaus ist aber anders - so, die nächste Wende mit a bissl mehr Schmackes, gesagt getan, die linke Flügelspitze berührt den Boden, Flieger steht. Kein Überschlag, nix. Er steht einfach so da. Von 50 km/h auf null in 0 komma nix. Schadensaufnahme: Flügelführung (6 mm Holzstab und urdick eingeharzt) im hinteren Teil, da wo er ned eingeharzt ist zersplittert, Motoraufhängung (Sperrholz mit Löcher und Kabelbinder) in Fetzen. Der Propeller hat beidseitig ein bissi am Flügel geknabbert (Schubmotor). Der Propeller samt Motor haben keine Feindberühung gehabt, sind aber trotzdem aus der Halterung gerissen. Ich kann mir nur erklären daß der schwere Motor weiter wollte, der Flügel aber ned. Bin grade dabei mir ein Dremel-Gerät zu kaufen, damit ich den Holzstab unter Millimeter dickem Harz rausschneiden kann. Und dann...Sturz und Seitenzug, alles kaputt....uije, wie misst man an einem schiefen Flügel bloß 3°? Die Aufhängung mache ich aus Alu!

Wingo in den Kofferraum, Relax (2 Meter Schaumwaffel) raus. Der Flieger ist komplett neu. Blöderweise ist im Manual keine Rede von einem Schwerpunkt, geschweige denn irgend ein Maß dazu angegeben. Wozu hab ich mir dann diese Schwerpunktwaage gekauft? Der ***, mein Einflieger, läßt auf sich warten. Was mache ich jetzt? Naja, Akku rein und schupf ma den Flieger mal wie einen Wurfgleiter, vielleicht seh ich ja was. Nach 4 Versuchen die Einsicht - na, so geht des ned, der Flieger ist zu kurz in der Luft. Erster Flug fürn Flieger und für mich...Handstart? Der *** hat eine riesige Narbe an einer Hand von einem Propeller - kommt nicht in Frage, zuviel Spundes. Da erinnere ich mich im Internet einen Bericht über den Relax gelesen zu haben. Da wollte einer per Hand starten, er kam nur ned dazu, weil ihm der originale BL-Motor den Flieger schon vorher aus der Hand gezogen hat. Klasse Sache, des kann ich auch. Aber in die Hand nehmen und Gas geben? Nein, Flieger auf den Tisch gelegt, kurz gezögert (linke Gehirnhälfte sagt "des geht schief" die rechte sagt "scheiß dir nix") Gaaaas .... Flieger zischt ab...und schon fliegt ein schwarzes Trum meterhoch durch die Luft. Vollgas hab ich ned gegeben, habe mich irgendwie geschreckt, und so ist der Relax 2 Meter hinter dem Tisch auf den Boden gekracht. Hat der Schaumwaffel überhaupt nix ausgemacht, das schwarze fliegende Trum war allerdings eine Propellerhälfte. Das Mittelstück des Klappropellers hat es ned überlebt. Und ich Optimist nehme mir noch eine Autobatterie zum Akku laden mit. Noch schnell den *** angerufen, daß er nicht kommen braucht...(peinlich) Im Internet Ersatzpropeller gesucht - nix gefunden. Das gibts doch ned - Homepage von Hype - dort steht "Ersatzteil in Kürze lieferbar" - schon eine Woche lang.

Das sind die Tiefschläge eines Anfängers. Aber Kopf hoch, es kommt die Zeit wo ich ihn mal anständig in die Erde stecken werde :-)

Das war vor einigen Jahren. Wenn ich es mir heutzutage durchlese muß ich immer noch grinsen. Interessant mit welchen Ängsten ein Anfänger zu kämpfen hat ;-) Übrigens: der Styroflieger lebt heute noch und wird hin und wieder für Lehrer-Schüler Flüge verwendet.