Reparatur der Clubmaschine

Pilatus Porter

Reparatur nach dem Absturz im Herbst 2010

Der Absturz war auf eine klassische Störung auf 35 Mhz zurückzuführen. Christian und ich wollten in ca 50 m Höhe und auf Parallelkurs zur Piste die Landeklappeneinstellung nachjustieren (die Maschine drehte bei ausgefahrenen Klappen ganz leicht nach einer Seite
weg). Zu Beginn der Störung ist die Maschine zu 200 m von uns weg gewesen und weiter von uns weg Richtung Westen geflogen. Dann kein Empfang mehr, die Maschine drehte sich ein
und prallte dann ziemlich genau senkrecht auf. Durch eine entsprechende Failsafe-Einstellung (alle Ruder auf hold, Motor auf Standgas) war die Maschine beim Aufprall relativ langsam
(auch durch den 4-Blattpropeller) und ist dadurch wesentlich weniger zerstört worden, als auf den ersten Blick anzunehmen war. Beide Flächen sind unbrauchbar (was bei Rippenflächen bei so einem Absturz normal ist). Der Rumpf ist nur im Bereich der Rumpfnase zerstört, von der Tragflächenvorderkante nach hinten ist alles vollkommen OK (alle Einbauten wie Tanks, alle Servos, Stromversorgung, Schiebetüren und dgl). Auch Seiten- und Höhenleitwerk sind vollkommen unbeschädigt. Die lange Rumpfnase hat als optimale Knautschzone gewirkt.
Auch der Motor ist fast unbeschädigt (einige Kühlrippen sind abgebrochen und die Isolationsplatte zwischen Motor und Vergaser ist beschädigt, der Resodämpfer hat einige Dellen).

Nach einigen Schrecktagen, Frustabbau und der Erkenntnis, dass der Rumpf die Maschine gar nicht so arg zerstört ist, haben ich dann begonnen zu telefonieren. Unser Freund und Obmann
des MFC Hohenau, Hans Prajka, hat uns durch seine Beziehungen zu einem tschechischen Modellflieger und zu CZ-Modell ein neues Flächenpaar, eine Motorhaube und eine Kabinen-verglasung besorgen können. Nochmals ein herzliches Dankeschön für Deine Hilfe, lieber Hans.

Damit hat sich die Reparatur auf den Neuaufbau des Rumpfvorderteils beschränkt. Vorerst mussten alle beschädigten Teile herausgelöst werden. Die Befestigungsplatte für das Fahrwerk war zwar ok, wurde aber auch herausgelöst und neu eingebaut und dabei gleich verstärkt. Dann werden die Anschlüsse an die Rumpfgurte durch Schäften der Vierkantleisten vorbereitet. Für
die Beplankung wurde der Einfachheit halber 2,5 mm Buchensperrholz verwendet, für die Rumpfgurte Balsaleisten 15x15.
Begonnen wurde mit dem Rumpfboden, auf den wurde dann mit den Balsaleisten das Gerippe der Schnauze aufgebaut. Das größte Problem war dabei die Position der Spanten, die Länge der Schnauze und Sturz uns Seitenzug des Motorspants. Um diese Parameter zu ermitteln habe ich aus den Teilen der zerstörten Schnauze, wie in einem Puzzle, die Beplankungen rekonstruiert
und so die Länge und die Position der Spanten herausgefunden. Für die Festelegung von Sturz und Seitenzug hat diese Methode aber nichts gebracht. Hier war die neue Motorhaube eine große Hilfe. Die Porter hat vom Werk aus Sturz und Seitenzug bereits eingebaut, die Motorhaube ist deshalb, dem Motorspant entsprechend, an der Hinterkante schief. Durch Befestigung der neuen Motorhaube an der neuen Schnauze und exaktes Ausrichten auf die Konturen des Rumpfes konnte dann durch die Hinterkante der Haube Seitenzug und Sturz und damit die Position des Motorspants genau festgelegt werden.
Bevor die Oberseite dann mit 3mm Balsa beplankt wurde, wurden alle Einbauten in der Rumpfschnauze erledigt (Zündungsakku, Zündungsschalter, Spannungsregler für Zündung, Führungsrohr für Zündstromleitung, Führungsrohr für Gaszug) und der Motorspant innen zusätzlich zu den Dreikantleisten noch mit Harz und Microbalouns ausgegossen.
Die rechte vordere Türe wurde eingepasst, dann mit Orastick gebügelt, die Kabinenhaube montiert und die seitlichen Verzierungen aufgebracht.

Die neuen Tragflächen haben genau gepasst, auch die Flächenstreben mussten nicht nachgearbeitet werden. Die Landeklappen wurden diesmal, wie schon im Baubericht angedeutet, mit Landeklappenscharnieren angelenkt. Normalerweise müssten zur Befestigung Sperrholzplättchen eingeleimt werden. Dazu hätte ich aber die fertige Tragfläche aufschneiden müssen, bei den Klappen selbst wäre das wegen der Scale-Beplankung mit GFK-Teilen gar nicht gegangen. Deshalb habe ich die Landeklappenscharniere genau dort befestigt, wo auch die Balsaklötze zum Einkleben der Stiftscharniere eingebaut sind. Damit aber die Schrauben im Balsa auch halten habe ich Spanplattenschrauben 3x30 verwendet, mit 2 mm vorgebohrt, die Löcher mit einer Spritze mit Leim angefüllt und danach die Schrauben eingedreht. Hält nach dem Aushärten des Leims bombenfest. Wie sich die nun mit Spalt angelenkten Landeklappen in der Praxis bewähren werde ich in einem abschließenden Flugbericht sicher noch beschreiben.

Zum Motoreinbau konnten die Distanzklötze vom alten Motorspant verwendet werden, der 8mm-Hilfsspant für die schwingungsgedämpfte Aufhängung wurde neu gemacht. Der Motor wurde wieder mit den originalen Topfdämpfern eingebaut. Erst nach dem Erfliegen von Sturz und Seitenzug wird dann die neue Motorhaube angepasst und der Schalldämpfer eingebaut.

Das Fahrwerk war unbeschädigt und musste nur montiert werden. Dazu kann ich schon was berichten: Wir haben das Originalfahrwerk gegen ein GFK-Fahrwerk von KHK ausgetauscht. KHK hat uns, auf Basis einer Zeichnung, die Befestigungsplatte des Fahrwerks 160 mm tief gemacht (normal nur ca 70 mm tief). Damit konnten wir das GFK-Fahrwerk mit genau den gleichen 4 Schrauben befestigen, mit denen die beiden Dreieckslenker des Originalfahrwerks in der Rumpfmitte befestigt werden. Erstens war damit keine Änderung am Rumpf nötig und zweitens wäre ein kurzfristiger Tausch der Fahrwerke möglich. Mit dem neuen Fahrwerk hat Christian vor dem Absturzes ca 10 Landungen gemacht und war vom Verhalten des GFK-Fahrwerks recht angetan. Es ist härter und es kann auch bei härteren Landungen nicht durchfedern und am Ende des Federweges anschlagen. Und die Kräfte werden über das Fahrwerk in die Unterseite des Rumpfes eingeleitet und dort besser verteilt. Jedenfalls sicher problemloser im Alltagsbetrieb und es schaut optisch gar nicht so schlecht aus.

Karl Schober
4.1.2011

Beplankung und Motoräufhängung neues Bodenbrett verstärkte Fahrwerksaufnahme Elektronik, Spanten, Beplankung
Fahrwerksbefestigung Rahmenaufbau Spaltklappen ausgefahren Spaltklappen eingefahren
Motor nach dem Absturz Seitenbeplankung Motorspant von innen Puzzle 2
Puzzle 3 Puzzle 1 ResoRohr mit Dellen Sturz und Seitenzug Einstellung
rechte vordere Türe einpassen hoppla, da fehlt doch etwas? tja, so erbärmlich sah sie aus, die Porter

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